Wären Sie lieber ein Schwamm oder Knetmasse? Zugegeben: Die Frage ist komisch. Die meisten würden sagen: weder noch. Es hängt wohl auch von Ihren Erfahrungen mit Knetmasse und Schwamm ab. Unsere innere Widerstandsfähigkeit wurde in den letzten Jahren in zahlreichen Studien unter die Lupe genommen. Knetmasse und Schwamm sind gute Sinnbilder dieser Widerstandsfähigkeit.

In der Psychologie nennt man die innere Widerstandfähigkeit „Resilienz“. Der Begriff kommt aus der Materialforschung (Resilienz = Elastizität) und bezeichnet die Fähigkeit eines Gegenstandes, nach einer ausgeübten Kraft wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Wenn man einen Schwamm (egal trocken oder nass) zusammendrückt, wird er wieder groß, sobald wir ihn loslassen. Anders die Knetmasse. Nachdem wir sie gequetscht, gedrückt oder gerollt haben, bleibt sie, wie sie nun ist. Die Materialforscher würden sagen, dass der Schwamm im Gegensatz zur Knetmasse eine hohe Resilienz, also eine Elastizität besitzt.

Mit Resilienz bezeichnet man in der Psychologie die menschliche Fähigkeit, sich nach einem Rückschlag, Misserfolg oder einer belastenden Situation – etwa einer schweren Krankheit, eines Unfalls, Verlust des Arbeitsplatzes oder ähnlichem – schnell zu erholen, „aufzustehen“ und mit Zuversicht weiter zu machen.

Resilienz ist allgegenwärtig und vielleicht auch wichtiger als je zuvor.

Menschen mit identischem oder ähnlichem Hintergrund an Bildung, Wissen und Erfahrung handeln in vergleichbaren Situationen trotzdem unterschiedlich erfolgreich. Manchmal sind Menschen, die scheinbar weniger Expertise, weniger Erfahrung oder geringere Fähigkeiten auf einem Gebiet haben, sogar erfolgreicher. Ein Versicherungsmakler, der in Ihrer Stadt ein Konkurrenzgeschäft führt, kann trotz geringerer Erfahrung oder Wissen dennoch erfolgreicher sein. Scheinbar zieht er potentielle Kunden magisch an und sein Geschäft scheint richtig zu „brummen“. Was hat er, was Sie nicht haben? Und weshalb gibt es dennoch Kunden, die dem Mitbewerber das Maklermandat kündigen und lieber von Ihnen betreut werden?

Viele würden sofort sagen, dass es sehr wahrscheinlich an seiner Persönlichkeit bzw. an der Art, wie er mit Menschen oder Situationen umgeht, liegt. Oder auf Kölsch: „Jeder Jeck ist anders“. Die zentrale Frage lautet: Was genau ist anders?

Menschen mit ähnlicher Bildungs-, und Erfahrungshistorie unterscheiden sich meistens in der Art, wie sie besonders schwierige oder belastende Situationen meistern.

Die 7 Schutzfaktoren

Unsere innere Stärke, also Resilienz, fußt auf sieben Schutzfaktoren – sie sorgen dafür, dass wir mit den gleichen Situationen unterschiedlich umgehen:

  1. Emotionssteuerung und Akzeptanz
  2. Realistischer Optimismus
  3. Kausalanalyse und Problemlösung
  4. Selbstwirksamkeit
  5. Eigenverantwortung
  6. Soziale Netzwerke
  7. Zielorientierung

Eine gute Mischung aus allen Faktoren macht uns stark und erlaubt uns, schwierige und belastende Situationen konstruktiv zu bewältigen und durch diese Situationen sogar stärker zu werden. In dem Beispiel mit dem erfolgreichen Versicherungsmakler könnte die Erklärung sein, dass er „Misserfolge“ wie Kündigungen oder erfolglose Akquisen schnell ad acta legt und einfach weitermacht. Unbeirrt, optimistisch und zuversichtlich!

„Meine größte Stärke ist, dass ich nicht aufhöre, wenn es nicht geklappt hat. Ich versuche es immer weiter. Und wenn ich es fünfzehn Mal machen muss, damit es einmal klappt – aber dann steht es halt 1:0“.
Thomas Müller, Fußballspieler, im Interview mit der FAZ (2010)

Diese Aussage des Ex-Nationalspielers ist insofern besonders, als dass er nicht von seiner tollen Technik, seinem taktischen Spielverständnis oder Wendigkeit erzählt hat. Er hat von seiner Fähigkeit berichtet, sich von Misserfolgen nicht demotivieren zu lassen, sondern immer wieder und immer wieder neue Chancen zu suchen, um ein Tor zu schießen.

Solche Verhaltensweise und Haltung zeichnet resiliente Menschen aus. Und wenn man Thomas Müller über Jahre bei öffentlichen Auftritten beobachtet hat, konnte man wahrlich nicht den Eindruck gewinnen, er mache einen unglücklichen Eindruck! Ein kleines Indiz für die These: Eine hohe Resilienzfähigkeit steigert die persönliche Zufriedenheit.

Wenn Sie in einer Woche vier Beratungsgespräche zur Berufsunfähigkeitsversicherung geführt haben und vom Kunden trotz augenscheinlichem Bedarf vier Mal gehört haben, dass er im Augenblick Abstand von einer entsprechenden Absicherung nehmen will, fällt es Ihnen womöglich schwer, ein fünftes Gespräch voller Optimismus und Zuversicht zu führen.

Und genau in solchen Momenten verhilft uns die Resilienz zu innerer Stärke.

Resiliente Menschen spüren wie jeder Andere Emotionen, wie Frust, Ärger oder Unlust. Das ist normal und menschlich. Der Unterschied liegt darin, wie schnell Menschen sich von solchen Rückschlägen erholen. Resiliente Menschen können negative Gefühle wahrnehmen, diese akzeptieren (Akzeptanz der Situation: „Es ist, wie es ist“). Sie überlegen, woran es vielleicht gelegen hat, dass die vier Kunden den Antrag nicht unterschrieben haben (sie nehmen die Kausalanalyse vor). Im nächsten Schritt denken sie nach, was sie beim fünften Kunden anders machen können (Problemlösung).

Dann schauen sie optimistisch nach vorne (hier hilft der Schutzfaktor realistischer Optimismus), indem sie sich eigene Erfolge in Erinnerung rufen (Schutzfaktor: Selbstwirksamkeit) und so innerlich stärker und schneller bereit sind, ein nächstes Kundengespräch mit Zuversicht führen.

Wenn Sie dazu gleichzeitig klare und konkrete Zukunftsziele vor Augen haben (das eigene Unternehmen auszubauen, die wirtschaftliche Stärke zu entwickeln, um ein Haus zu bauen oder die Welt zu bereisen), wird der Schutzfaktor „Zielorientierung“ ebenfalls maßgeblich dabei helfen, frustrierende Kundengespräche rascher zu akzeptieren und Ärger schneller zu überwinden. Merke: Ein konkretes Ziel vor dem inneren Auge stärkt die innere Wiederstandfähigkeit.

Vom Intuitiven zum Bewussten
Vielleicht nutzen Sie schon heute intuitiv einige der Resilienz-Schutzfaktoren. Das ist gut und spricht für Sie. Das bewusste Kennen der einzelnen Faktoren bietet Ihnen die Möglichkeit, die eigene Resilienz weiter auszubauen und zu festigen. Denn persönliche Widerstandsfähigkeit ist nicht „von Gott gegeben“. Sie entwickelt sich stark im Laufe der Kindheit aber auch im weiteren Lebensverlauf. Sowohl positiv als auch negativ.

Sie können die negative Entwicklung stoppen und umkehren. Das ist die gute Nachricht. In den nächsten Blogbeiträgen werden wir Ihnen mit zahlreichen Praxisbeispielen zeigen, wie Sie es schaffen können.

Ich freue mich, Ihnen diesen Weg zu zeigen und wünsche schön jetzt viel Spaß bei Ihrem persönlichen Wachstum und Ihrer Entwicklung.

Ludwika
©Bild: Itzehoer Akademie