Die Ausbreitung des Corona-Virus hat uns überrollt. Dinge, die noch vor ein paar Wochen nicht denkbar waren, sind heute Realität. Das öffentliche Leben ist in weiten Teilen eingeschränkt. Wir sehen Hamsterkäufe und leere Regale. Und viele von uns sehen das zum ersten Mal in Ihrem Leben. Angst greift um sich und führt zu irrationalen Handlungen.

Auch in unserem Marktumfeld wird der Eine oder Andere ein mulmiges Gefühl haben. Wie sehr werden meine Kunden von der Situation betroffen sein? Die Handwerksbetriebe, die Freelancer wie auch jeder einzelne Privatkunde? Können und wollen sie ihren Versicherungsbedarf aufrechterhalten? Gerate ich dadurch womöglich selber in eine finanzielle Schieflage? Wie zahle ich meine Mitarbeiter, die Büromiete oder andere laufende Kosten?

Angst ist dein Freund!

Angst ist grundsätzlich ein Mechanismus (= Emotion), der uns schützen soll, um unser Überleben zu sichern. Die Angst und das Gefühl der Ohnmacht vor einem unsichtbaren – und dadurch gefühlt nicht kontrollierbarem – Virus bringt im Wesentlichen drei Verhaltensweisen zum Vorschein:

  1. Aktionismus
  2. Verweigerung
  3. Starre

Aktionismus ist ein Kampfverhalten (Hamsterkäufe, Ressourcen sichern), Verweigerung („Ich mach den Quatsch nicht mit!“ , Verzicht auf ausgiebiges Händewaschen, kein Abstand, kein Widerruf privater Treffen) ein Fluchtverhalten und Starre (Frust, Depression) mit einer geistigen Ohnmacht zu vergleichen.

Es ist grundsätzlich normal, dass wir in bedrohlichen Situationen Angst verspüren. Aber Angst, die uns überwältigt und zu irrationalen Handlungen führt, lähmt uns im Kopf!

Die Angst konstruktiv bewältigen.

Wir leben gesellschaftlich in den besten Zeiten aller Zeiten. Seit mehr als 70 Jahren erleben wir Frieden, einen entwickelten Sozialstaat, medizinische Versorgung und soziale Absicherungssysteme. In derart entwickelten Ländern treibt der Konsum sowie die Erhaltung oder der Aufbau eigener Vorteile viele Menschen täglich an. Nachteil dieser Lebensform. Wir haben schlichtweg nicht gelernt, mit bedrohlichen und unsicheren Situationen umzugehen. Uns fehlt die Übung – die Routine.

Was können wir aber tun, um die eigene Angst besser in den Griff zu bekommen?

Tipp 1: Akzeptanz als Resilienz Faktor – der erste sinnvolle Schritt

Bei vielen von uns hat sich im Laufe des Lebensweges die Erkenntnis gefestigt, dass Risiken sich kontrollieren lassen. Entweder durch Vorbeugung oder Absicherung. Dies ist aber eine Illusion. Nicht alles im Leben lässt sich kontrollieren. Die aktuelle Situation führt uns buchstäblich vor Augen, dass es immer wieder Dinge gibt, die wir nicht kennen und die uns überraschen. Unsere Glaubenssätze werden auf den Kopf gestellt. Es gilt, genau das zu lernen und zu akzeptieren. Es ist, wie es ist.

Tipp 2: Lösungsorientierung – lieber sinnvoller als unüberlegter Aktionismus

Was ist meine Einflusszone? Mit welchen Aktivitäten kann ich dazu beitragen, die Situation zu meistern? Was ist wichtig? Wie kann ich Kunden und Mitarbeitern helfen? Sie unterstützen oder ihnen Zuversicht schenken?
Möglicherweise können Sie die Antworten auf aktuell häufig gestellte Fragen in einem kleinen Video zusammenfassen oder ihren Kunden individuelle Beratungstermine per Online-Konferenz anbieten? So bleiben Sie Diesen nah, vermeiden aber die Ansteckungsgefahr eines persönlichen Kontaktes. Vielleicht gibt es auch ein organisatorisches Thema oder einen Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung, dem Sie sich nun bevorzugt widmen wollen?
Nehmen Sie sich die Zeit und denken Sie in Ruhe nach, was wirksame und gute Aktivitäten sein könnten? Vielleicht sind es auch scheinbar banale Dinge? Etwa der Anruf bei einem Kunden, einem Freund oder Familienmitglied der nichts weiter zum Ziel hat, als sich zu erkundigen, wie es dem Anderen geht.

Tipp 3: Eigenverantwortung – schlechte Nachrichten reduzieren – gute Rituale bewahren

Die Reizüberflutung rund um das Corona Virus ist immens. Immer mehr Experten und immer mehr Meinungen erzeugen Frust und überfordern unseren Verstand.
Der Resilienz Faktor „Eigenverantwortung“ lehrt uns, dass wir auf uns acht nehmen sollen. Wenn Sie merken, dass die vielen Nachrichten ihrer Psyche nicht gut tun, entscheiden Sie sich diese zu reduzieren. Entscheiden Sie, welche und wie viele Nachrichten pro Tag sie zulassen möchten. Achten Sie auf sich selbst.

Ergänzungs-Tipp:

Fördern Sie die Produktion der körpereigenen Endorphine = bekannt als „Glückshormone“. Vergessen Sie nicht zu lachen und ihren Humor zu wahren. Schauen Sie sich Komödien an, erzählen Sie sich Witze, denken Sie an die schönen Dinge des Lebens und essen Sie Schokolade😊. Je höher der Kakao-Anteil umso besser. Viele Studien haben die gesundheitsfördernde Wirkung von Bitterschokolade nachgewiesen. Und bewahren Sie Ihre guten Rituale. Die Tasse Kaffee oder Tee am Anfang des Tages. Bewegen Sie sich und sorgen Sie für einen netten Ausklang des Tages. Wie auch immer Sie Diesen gestalten – tun Sie es bitte bewusst.

Tipp 4: Optimismus aufrechterhalten

Ein wichtiger Aspekt dieses Schutzfaktors ist Dankbarkeit. Seien Sie – gerade wenn die Zeiten unruhiger sind – umso bewusster dankbar für die Dinge, die Sie haben und die Sie glücklich, stolz oder zufrieden machen. Etwa das Dach über dem Kopf, die Familie, liebe Freunde, nette Nachbarn, funktionierende medizinische Versorgung und so weiter. Fokussieren Sie auf das „Gute im Schlechten“. Lassen Sie sich nicht herunterziehen und bewahren Sie ihre Zuversicht.

Tipp 5: Netzwerkorientierung

Auch, oder gerade weil persönliche Kontakte gegenwärtig eingeschränkt sind, sollten Sie Diese unbedingt pflegen. Austausch tut gut. Auch, um zu erkennen, dass Sie nicht allein sind mit ihrer Angst. Das kann helfen, mit negativen Emotionen fertig zu werden. Nehmen Sie bevorzugt Tuchfühlung zu den Menschen auf, die mit der Situation eher gelassen und ruhig umgehen. Scrollen Sie doch mal durch die Kontakte in Ihrem Handy und schauen nach, wen Sie mal wieder anrufen könnten. Manchmal ergeben sich neue Kontakte zu den Menschen, die zuletzt vernachlässigt wurden. Einfach weil so viel zu tun war. Jetzt ist die Chance, diese aufzufrischen. Vielleicht stoßen Sie dabei auf Personen, denen Sie helfen können. Tun Sie es! Das tut gut und stärkt die eigene Selbstwirksamkeit.

Tipp 6: Zukunftsorientierung

Verharren Sie gedanklich nicht nur im Hier und Jetzt. Schmieden Sie schöne Pläne für die Zukunft. Der nächste Urlaub, ein spontanes Zusammentreffen mit Freunden. Ein Konzertbesuch. Was auch immer Sie sich visualisieren: Der zuversichtliche Blick in die Zukunft und klare Pläne können definitiv helfen, diese schwierigen Zeiten psychisch besser zu überstehen.

Das wünschen wir Ihnen aktuell mehr denn je.

Wie immer gilt: Bleiben Sie neugierig! Und bitte bleiben Sie gesund.

 

Ludwika & Matthias
©Bild: Itzehoer Akademie