Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen lebte im 18. Jahrhundert. Es war die Zeit ohne Fernseher, Internet, Social Media, Facebook & Co. Viele Junge Leute können sich heutzutage so eine Welt vermutlich gar nicht vorstellen oder diese als „lebenswert“ erachten, denn sie mag aus heutiger Perspektive langweilig erscheinen. Keine Instagram Stories, keine Filme, keine Unterhaltung durch YouTube & Co. Was haben damals die Menschen überhaupt gemacht, um Spaß zu haben? Wir wissen, dass sich die Menschen als Unterhaltung u.a.  viele Geschichten erzählt haben. Baron Münchhausen ist sogar durch seine Erzählungen berühmt geworden. Ich habe schon als Kind manche von seinen unglaublichen Geschichten gelesen und auch Kinderfilme gesehen. Manche waren sehr unterhaltsam, andere weniger. Aber eine Geschichte hat mich immer wieder zum Staunen gebracht. Und zwar die, in der Baron Münchhausen sich selbst aus der Patsche geholfen hat. Das ist die Geschichte in der Münchhausen sich samt Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht. Erstaunlich. „Selbst war der Mann“ könnten wir heute sagen. Als kleines Kind habe ich tatsächlich einmal es versucht, mich aus dem Wasser an eigenen Haaren zu ziehen und bin, wie Sie sich denken können, kläglich gescheitert.

Dennoch: Die Geschichte ist mir stets präsent geblieben. Als ich Psychologie studierte, habe ich mich u.a. mit dem Thema Resilienz auseinandergesetzt. Und dabei wurde mir etwas bewusst, was der Baron Münchhausen nicht ahnte und dennoch praktiziert hat.

Baron Münchhausen hat in seinen Erzählungen, die viele Menschen als Lügengeschichten bezeichnet haben, sehr lebhaft gezeigt, wie er auf seinen eigenen starken Resilienz-Schutzfaktor zurückgegriffen hat (vielleicht nicht nur in seinen Geschichten): nämlich auf den sog. Faktor „Eigenverantwortung“.

Was ist „Eigenverantwortung“ im psychologischen Konzept der Resilienz?

Es ist die Fähigkeit, sich selbst nicht als Opfer der gegebenen Umstände zu betrachten, sondern als „Täter“, der tatkräftig, handlungsfähig und mündig ist, sein eigenes Leben in den Griff zu bekommen und Verantwortung dafür zu übernehmen.

Sich selbst samt Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, kann symbolisch betrachtet werden und als gutes Beispiel für den Schutzfaktor Eigenverantwortung dienen. Wenn wir beispielsweise krank sind, unterstützen uns die Ärzte gesund zu werden, aber der Genesungsprozess findet in uns selbst statt. Wir ziehen uns somit jedes Mal buchstäblich selbst aus dem Sumpf, auch wenn uns das selten bewusst wird. Dennoch tun wir es jedes Mal sehr erfolgreich und zwar durch die Genesung. Auch wenn Sie als Makler den Kunden beraten und ihn abschließend versichern, ist der Kunde selbst für seine Entscheidung verantwortlich. Als Makler bauen Sie, wieder symbolisch betrachtet, Brücken für die Kunden. „Gehen“, also sich entscheiden und unterschreiben, wird jeder Kunde in Eigenverantwortung.

In der heutigen Corona-Krise haben wir folgende Situation: Viele Menschen haben bereits jetzt weniger Einnahmen oder erwarten einen Rückgang, viele wurden im Job ausgebremst und konnten in den letzten Wochen – und eventuell auch in der nächsten Zeit – keine Geschäfte abschließen, andere hadern immer noch mit der aktuellen Situation und akzeptieren die angeordneten Einschränkungen – von der Maskenpflicht bis hin zu Reiserestriktionen ­–nicht. Jeder von uns hat eine eigene Geschichte zu erzählen. Genauso wie Baron Münchhausen. Und genau wie Baron Münchhausen kann jeder von uns den eigenen Schutzfaktor „Eigenverantwortung“ bewusst stärken und sogar ausbauen.

Überlegen Sie für sich, wie Sie diesen Schutzfaktor stärken könnten. Visualisieren Sie sich zum Beispiel abends, was Sie am Folgetag Gutes für sich tun könnten. Sie könnten vielleicht tagsüber Minipausen an der frischen Luft einplanen, die Treppe statt den Lift benutzen.

Die ersten Ideen

Vor der Corona-Krise haben wir bei der Itzehoer.akademie häufig über Strategien berichtet, die den Schutzfaktor „Eigenverantwortung“ stärken: neben positiven Vorhaben für den kommenden Tag  beispielsweise regelmäßig Wasser zu trinken, kleine Bewegungsübungen tagsüber am Arbeitsplatz durchführen, mehrmals  tagsüber kurz das Büro verlassen, mehr Obst und  Gemüse essen, generell drei Mal täglich etwas Gutes für sich selbst tun.

Diese Beispiele zeigen, wie wir unsere Eigenverantwortung täglich stärken und ausbauen können. Die Liste kann lang werden, jeder hat seine individuellen Schwerpunkte. Und das ist normal und gut so.

Die richtungsweisenden Fragen

In der gegenwärtigen Ausnahmesituation ist es umso wichtiger, diesen Schutzfaktor mehr zu stärken, denn nur wir selbst können uns am eigenen Schopf aus dem „Sumpf“ von Frust und  Ärger ziehen.

Einige Coaching Fragen können Ihnen dabei helfen:

Überlegen Sie sich doch einfach mal:

  • Was können Sie selbst tun, um sich von eigenen negativen Gedanken, Einstellungen oder Glaubenssätzen zu befreien?
  • Wie können Sie ihre persönliche Situation oder sich abzeichnende Entwicklung – beispielweise durch drohende Rezession und Umsatzrückgang – akzeptieren, um Ihre Kräfte zu mobilisieren und Handlungen anzupassen.
  • Was kann Ihnen jeden Tag helfen, damit Sie gesund, zuversichtlich und handlungsfähig bleiben?

Diese Fragen dürfen Sie für sich selbst beantworten und Ihre Lösungen auch selbst umsetzen. Ganz im Sinne des Schutzfaktors, von dem Baron Münchhausen damals noch nichts wusste: eben im Sinne der Eigenverantwortung.

Und bleiben Sie auf Ihrem Weg der persönlichen Entwicklung stets neugierig und gesund.

Das wünsche ich Ihnen vom ganzen Herzen

Ludwika